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Warum der Index dich täuscht - und welche Kennzahl dir wirklich weiterhilft

Index oder Effektstärke? Lerne die Unterschiede kennen und erfahre, warum ein hoher Index nicht automatisch Relevanz bedeutet.


Indexstand vs. Effektstärke

Wann nutze ich was? Die Vor- und Nachteile schnell erklärt

Dieser Artikel wird mit zwei auf den ersten Blick vielleicht überraschenden Thesen eingeleitet:

  1. Ein hoher Index bedeutet nicht automatisch, dass ein Merkmal für deine Zielgruppe relevant ist.
  2. Ein niedriger Index bedeutet nicht, dass ein Merkmal ignoriert werden sollte.

Wenn du als Marketer, Stratege oder Planer regelmäßig mit Zielgruppendaten und Affinitäts-Indizes arbeitest, kennst du deren Wert. Doch du kennst vielleicht auch das Bauchgefühl, dass ein hoher Index nicht immer die ganze Wahrheit erzählt. Dieser Artikel ist für dich und alle, die nach einer robusteren, valideren Metrik suchen, um die Relevanz von Zielgruppen-Merkmalen zu bewerten. Er zeigt dir, warum der klassische Index an seine Grenzen stößt und wie die Effektstärke diese Lücken schließt.

 

Der Index

Ein nützlicher Startpunkt mit Grenzen

Ein Indexwert ist zunächst eine intuitive und nützliche Kennzahl. Er setzt den Anteil eines Merkmals in einer Zielgruppe ins Verhältnis zum Anteil in der Grundgesamtheit.

Artikelinhalte

Beispiel: Haben in der Population 20 % Interesse an McDonald's und in deiner Zielgruppe sind es 40 %, ergibt sich ein Index von 200. Die Affinität ist also doppelt so hoch. Das ist eine klare, leicht verständliche Aussage über den Mengenunterschied.

Doch genau hier beginnen die Herausforderungen, denn der Index hat zwei entscheidende Schwachstellen.

 

Die erste Tücke

Fehlende Vergleichbarkeit

Ein großes Problem des Index ist, dass er über verschiedene Merkmale hinweg nicht standardisiert und somit nicht direkt vergleichbar ist. Ein Index von 300 kann in einem Fall ein gigantisches Signifikanz-Signal und im anderen Fall völlig irrelevant sein.

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Ein Index von 300 ist nicht immer gleichbedeutend

Merkmal A: Interesse an Ayurveda

  • Anteil in der Population: 3 %
  • Anteil in der Zielgruppe: 9 %
  • Index: 300
  • Die Realität: Obwohl der Index hoch ist, sind immer noch 91 % deiner Zielgruppe nicht an Ayurveda interessiert. Für eine breite Kampagne ist dieses Merkmal praktisch unbrauchbar.

 

Merkmal B: Interesse an Basketball

  • Anteil in der Population: 20 %
  • Anteil in der Zielgruppe: 60 %
  • Index: 300
  • Die Realität: Hier bedeutet der gleiche Index, dass eine solide Mehrheit von 60 % deiner Zielgruppe eine Affinität zum Thema hat. Das ist ein hochrelevantes Insight.

 

Erkenntnis: Der Index allein gibt keine verlässliche Auskunft über die tatsächliche Relevanz. Du musst mindestens den prozentualen Anteil des Merkmals in der Zielgruppe prüfen, was den direkten Vergleich von tausenden von Merkmalen mühsam und fehleranfällig machen kann.

 

Die zweite Tücke

Der Verlust wertvoller Informationen

Der Index vergleicht ausschließlich zwei einzelne Durchschnitts-Werte miteinander: den durchschn. Anteil in der Population und den durchschn. Anteil in der Zielgruppe. Dabei wird die gesamte zugrundeliegende Verteilung der Daten – also wie sich die Antworten über alle Personen verteilen – komplett ignoriert. Dadurch geht ein riesiger Teil an Information verloren.

Genau hier setzt die Effektstärke an.

 

Die Lösung

Effektstärke als Maß der wahren Relevanz

Die Effektstärke (bei AIlon im Hintergrund als Cohens d berechnet) ist eine Metrik, die genau diese beiden Schwachstellen des Index ausgleicht.

1. Ganze Verteilungen statt nur Durchschnittswerte

Die Effektstärke betrachtet nicht nur zwei Zahlen, sondern die gesamte Verteilungslandschaft eines Merkmals. Sie analysiert auf Basis der Wahrscheinlichkeit, wie sich die Antworten von Population und Zielgruppe über die gesamte Bandbreite unterscheiden.

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Stell dir zwei Kurven vor, die diese Verteilungen darstellen. Die Effektstärke misst den tatsächlichen, spürbaren Abstand zwischen diesen beiden Kurven. Dadurch kann sie auch dann eine hohe Relevanz aufzeigen, wenn der Index niedrig ist, die strukturellen Muster sich aber stark unterscheiden. So wird auch die zweite Eingangsthese Realität: Ein Merkmal mit niedrigem Index kann sich als "Hidden Champion" entpuppen.

2. Der eingebaute Filter gegen falsche Signale

Die Effektstärke löst auch das Ayurveda-Problem elegant. Wie? Bei einem Merkmal mit sehr geringem Anteil (wie 9 % Interesse) sind sich Population und Zielgruppe zu über 90 % einig – nämlich im Punkt "kein Interesse". Die Verteilungskurven beider Gruppen überlappen sich also massiv am Nullpunkt.

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Die Effektstärke erkennt diese äußerst große Ähnlichkeit. Der kleine Unterschied bei den wenigen Interessierten reicht nicht aus, um einen großen Gesamteffekt zu erzeugen. Der hohe "Spike" bei den wenigen Befürwortern wird durch die massive Übereinstimmung der uninteressierten Mehrheit quasi "heruntergerechnet".

So werden Merkmale mit einem zu geringen Anteil, die nur ein irreführend hohes Index-Signal aussenden, von der Effektstärke automatisch als weniger relevant eingestuft. Übrig bleiben die Merkmale, die wirklich einen substanziellen und praktisch bedeutsamen Unterschied in deiner Zielgruppe machen.

 

Abschließend

Zwei Beispiele aus der Praxis

Lass uns zum Abschluss diese beiden Tücken des Index an den folgenden Grafiken betrachten, die den Unterschied zur Aussagekraft der Effektstärke perfekt illustrieren.

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Beispiel 1 (Links): Hoher Index, geringe Relevanz ("Im Ausland studieren")

Auf der linken Seite sehen wir das Merkmal "Im Ausland studieren". Der Index ist mit 218 extrem hoch und suggeriert eine massive Relevanz. Doch ein Blick auf die Verteilung und die Effektstärke von nur 13 % entlarvt dies als Trugschluss. Beide Kurven kleben förmlich am Nullpunkt. Das bedeutet: Fast niemand in der Population und fast niemand in der Zielgruppe hat ein ausgeprägtes Interesse. Der hohe Index entsteht nur, weil die winzige Gruppe der Interessierten in der Zielgruppe relativ größer ist als in der Population. Die Effektstärke erkennt aber, dass die Gruppen sich insgesamt kaum unterscheiden, und stuft die praktische Relevanz daher zu Recht als gering ein.

Beispiel 2 (Rechts): Niedriger Index, hohe Relevanz ("Finanzielle Unabhängigkeit")

Auf der rechten Seite das genaue Gegenteil: "Finanzielle Unabhängigkeit". Der Index ist mit 119 sehr durchschnittlich und man könnte das Merkmal leicht übersehen. Die Effektstärke von über 51 % gibt uns jedoch den Hinweis: "Achtung, hier passiert schon etwas Wichtiges!". Die Grafik bestätigt das: Die gesamte Kurve der Zielgruppe ist deutlich nach rechts verschoben. Es geht nicht nur um ein paar mehr Leute – die gesamte Einstellung zum Thema ist fundamental anders und wichtiger für die Zielgruppe. Die Effektstärke deckt diesen relevanten, strukturellen Unterschied auf, den der Index fast unsichtbar gemacht hätte.

Diese Beispiele zeigen, wie die Effektstärke als verlässlicher Kompass dient, um die wahre Relevanz hinter den Zahlen zu entdecken.

 

Die wichtigsten Takeaways

Der Index …… misst den relativen Mengenunterschied zwischen Zielgruppe und Population.Gut für: Eine erste, schnelle Orientierung.Gefahr: Nicht über verschiedene Merkmale hinweg vergleichbar und anfällig für die Verzerrung durch kleine Fallzahlen.

Die Effektstärke …… misst die praktische Relevanz und Qualität des Unterschieds, indem sie die gesamte Datenverteilung berücksichtigt.Gut für: Eine valide, standardisierte und vergleichbare Bewertung der wahren Wichtigkeit eines Merkmals.Vorteil: Filtert automatisch irrelevante Merkmale mit geringem Anteil heraus und deckt "Hidden Champions" auf.

 

Fazit

Nutze den Index, um zu verstehen, um wie viel stärker eine Affinität relativ ausgeprägt ist. Nutze die Effektstärke, um zu entscheiden, welche Merkmale wirklich wichtig sind.

 

Neugierig geworden? Vergleiche Index und Effektstärke selbst!

Die Theorie ist das eine, die Praxis das andere. Du möchtest jetzt selbst sehen, wie unterschiedlich Index und Effektstärke für dieselben Merkmale im AIlon-Dashboard ausfallen können? Kein Problem!

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