Die Frankfurter Buchmesse ist ja längst kein reines Literaturereignis mehr, sondern ein globales Forum für Medien, Kultur, Technologie und Ideen. In diesem Zusammenhang gab mir ein Kommentar zu einer Rahmenveranstaltung einen Impuls: „Vom Text zum System: Schreiben als Design von semantischen Räumen“. Was kann das über Texte hinaus bedeuten?
Datenräume, Zielgruppen, Marken und Welt an sich sind immer schon semantisch miteinander verbundene Merkmalsräume gewesen. Oder anders formuliert: Bedeutung entsteht in dem Zusammenspiel von systematisch miteinander verbundener Zeichensysteme oder auch Merkmalen/Features und entsprechenden Konstruktionsregeln.
Heute vermögen Maschinen Datenräume und LLMs eben die Gleichartigkeit von Zeichensystemen zu erkennen und auf eine Art und Weise so zusammenzuführen das Bedeutungsangebote entsteht.
Dieses Grundprinzip erlaubt es, äußerst präzise Aussagen über Marken, Zielgruppen und Medien zu treffen – gut fürs Marketing und für die Marktforschung. Für den Anwender ist es immer wieder verblüffend: Der Mensch, der auf die Vereinfachung von Komplexität getrimmt ist, erlebt, wie Maschinen die Überkomplexität beherrschen. Auf den ersten Blick entsteht daraus etwas wie Bedeutung, Intelligenz und Kreativität. Bei genauerem Hinsehen jedoch bleibt all das eher vordergründig.
Wenn dem so ist oder so wäre, dann müssten doch aus einem KI-Ergebnis wie zum Beispiel der Definition von Zielgruppen / Zielgruppensegmenten zu einem Thema unterschiedliche Vorschläge dazu kommen, wie z.B. die Agenda einer die Buchmesse begleitenden Konferenz aussähen würde, wären die einzelnen Subsegmente die jeweiligen Kuratoren der Konferenz.
Das habe ich einmal durch gespielt: So sieht eine hypothesenfreie Segmentierung von Buchmessen-affinen Personen in AIlon aus:
Die Subsegmente „Kulturelle Genussmenschen“ und „Nachhaltige Gesundheitsbewusste“ der Buchmesse-affinen scheinen auf Basis ausgewählter Interessen das Kernsegment auszumachen.
Extrahiere ich aus diesen zwei Subsegmenten eine Merkmalswolke, dekonstruiere also das gebildete „Design von semantischen Räumen“ (s.o.), müsste das einem LLM wie ChatGPT, aufgesattelt auf einen schier endlosen Datenraum (das Internetz), dazu genügen, eine sehr stichhaltige und zielgruppenspezifische Agenda für eine begleitende Konferenz zu schreiben.
Hier das Ergebnis:
Kuratorische Agenda: „Future Narratives – KI, Bewusstsein und die Zukunft des Erzählens“
Leitgedanke: Künstliche Intelligenz verändert unsere Welt – aber die Geschichten, die wir über sie erzählen, entscheiden darüber, wie wir sie verstehen. Literatur, Medien und Technologie verschmelzen zu Resonanzräumen für ein neues Bewusstsein.
09:30 – 10:00 Uhr, Ankommen im Bewusstseinsraum
10:00 – 11:00 Uhr, Keynote: Intelligenz – Zwischen Mensch, Maschine und Mythos
11:15 – 12:30 Uhr, Panel: „Wer erzählt? KI als kultureller Akteur“
12:30 – 14:00 Uhr, Networking Lunch & Thementische
14:00 – 15:15 Uhr, Werkstatt: Future Story Lab – Mensch, Maschine, Sinn
15:30 – 16:30 Uhr, Lesung & Soundscape: Stimmen aus einer neuen Wirklichkeit
16:30 – 17:30 Uhr, Debatte: Bewusstsein, Verantwortung und die neue Intelligenz
17:30 – 18:00 Uhr, Closing Circle: Die Zukunft ist erzählbar
18:00 – 20:00 Uhr, Abendlicher Ausklang: Future Lounge
Ich finde das Ergebnis stark, differenzierend und treffend. Wobei natürlich die Leistung dieses Output von der Größe und Klasse des LLM und des Datenraums abhängt.
Genauso jedoch auch vom Input, also einem Prompt, der entstanden ist als Merkmalswolke aus AIlon, einem System, mit dem ich sehr feingranulare Aussagen über Zielgruppen treffen kann.
Für uns als ERASON – dem KI-Studio, das AIlon entwickelt hat und betreibt - hat dieses Vorgehen eine entscheidende Bedeutung. Der Output aus AIlon auf Basis von miteinander verlässlich verknüpften Datenquellen, liegt strukturell so vor, dass er als echter, die Realität repräsentierender Input in andere Systeme eingepflegt werden kann und zu Ergebnissen führt, als wären sie von eben diesen Zielgruppen selber verfasst worden. Das ist somit der Gegenentwurf dazu, dass in AIlon als Startpunkt die unterschiedlichsten (auch 1st Party Daten) einfließen und einfließen können und auch der Gegenentwurf, das der Output von AIlon einfach ein Media-Targeting sein kann.
Das liest sich gut und überraschend treffend oder inspirierend. Ist das aber kreativ? Ich meine nicht, denn es ist auf intelligentem Wege, aber auch ohne eigenes Bewusstsein entstanden. Warum schreibe ich das? Wir glauben an die Kraft der miteinander verknüpften Daten und an die Intelligenz großer Datensysteme. Wir glauben aber genauso daran, das KI und AIlon Kreativität unterstützen und herausfordern kann. Sie, die Kreativität entsteht aber jenseits von KI in den Köpfen und Herzen und dem, was als Bewusstsein bezeichnet wird. Diese Trennungslinie wird (noch) schmaler werden. Sie wird aber bleiben. Ein selbstfahrendes Taxi bringt dich sicher und schnell von A nach B. Ein bisschen Taxifahrer-Sightseeing bleibt aber ungeschlagen.